Im Osten nichts Neues?! – Literatur aus Russland und anderen Slawischen Ländern

Russland – welche Bilder kommen euch in den Kopf, wenn ihr an dieses Land denkt? Vladimir Putin, Vodka, Bären, der Kreml, Öl? Und nun versucht einmal an russische Literaten zu denken, auch da werden den meisten vermutlich nur wenige Namen einfallen; Tolstoj, Dostojevskij und vielleicht Puschkin.

Als ich neulich auf Twitter meine Idee zu einer Beitragsreihe rund um russische und slawische Literatur vorstellte, wurde dies begeistert aufgenommen. Ich war überrascht, denn aus persönlichen Gesprächen mit insbesondere Menschen aus dem Westen Deutschlands habe ich doch immer wieder einen eher feindseligen Unterton heraushören können, wenn das Gespräch auf Russland kam. Nicht ganz unverständlich, wenn man bedenkt, dass die Wende eben doch noch nicht so lange her ist. Ich habe zwar keine eigenen Erfahrungen, doch ich gehe davon aus, dass Russland in der ehemaligen Bundesrepublik als der Feind schlechthin galt – in der DDR hingegen wurde Russland eher als das etwas nervige, manchmal unliebsame aber eben doch irgendwie auch lieb gewonnene Tantchen aufgefasst. Eine Dämonisierung dieses riesigen, schönen und vielfältigen Landes fand nicht statt.

Kreml in Russland

Ich selbst bin ein “Wendekind” – ich wurde 1991 in Thüringen und somit im Gebiet der ehemaligen DDR geboren. In den Bücherschränken meiner Großeltern und Eltern fand ich neben den Grimm’schen Märchen auch sowjetische Kinderbücher, meine gesamte Familie bestand ja schließlich aus DDR-Bürgern – ich war die erste “Gesamtdeutsche” unserer Familie. Vielleicht habe ich da schon ein Faible für die Bücher “des Ostens” entwickelt – wer weiß? Fakt ist: In meiner Bachelorarbeit waren es genau diese Bücher, über die ich geschrieben habe: sowjetische Kinderbücher.

Über die Jahre hat sich dann mein Interesse gesteigert, Russland und die Russische Sprache schoben sich immer mehr in das Zentrum meines Interesses. Der Wunsch, die Sprache zu erlernen, wuchs. Nach meinem Master-Abschluss in Germanistik dann die Frage: Was nun? Dass ich von einer klassischen Anstellung Abstand nehmen würde, war klar. Ich bin lieber mein eigener Chef. Und irgendwie kristallisierte sich dann heraus: ich werde im Zweitstudium studieren. Die akademische Laufbahn fortführen. Und als ich dann durch’s Verzeichnis der Studiengänge scrollte, kristallisierte sich plötzlich etwas heraus. Ich will nicht dramatisieren, aber es war für mich tatsächlich, als sähe ich plötzlich klar. In meinem Zweitstudium würde ich mich der Russistik / Slawistik widmen.

Und da sind wir nun. Ich, als Studentin der Slawistik, und ihr, als Leser die ihr auf Twitter Interesse an russischer und slawischer Literatur bekundet habt. Wollte ich ursprünglich erst später diese Beitragsreihe starten, tue ich es nun. Nämlich im Rahmen der Aktion #leidernichtleipzig. Aber warum das Ganze?

Russische und osteuropäische Literatur ist schön. Sie ist auf eine ganz andere Weise schön, als es z.B. die deutsche Literatur ist. Und sie findet zu selten die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Wir lesen so viele Bücher aus den USA, Deutschland, Westeuropa. Aber es lohnt sich wirklich, über den Tellerrand zu schauen!

Souvenir aus Russland

Ich möchte die Aktion gerne offen gestalte, d.h. ich werde vorher nicht festlegen, wie viele Beiträge erscheinen werden. Ggf. führe ich die Aktion, je nach Resonanz, dauerhaft als Kategorie auf dem Blog fort. Für die erste Phase habe ich jedoch den ein oder anderen Beitrag bereits angedacht. Zum einen möchte ich fortlaufend insbesondere moderne slawische Bücher rezensieren. Das sind nicht immer “Hidden Treasures”, denn ich denke mittleweile kennt jeder von euch den Hexer Geralt?! (Verfasst von einem polnischen Schriftsteller und somit also auch ein slawisches Werk.) In einem weiteren Beitrag möchte ich die Problematik der Übersetzung ansprechen, denn im Studium fiel mir beim parallelen Arbeiten mit russischen Texten und deutschen Übersetzungen immer wieder auf, dass das Deutsche das Russische nicht gut widergeben kann.
In einem weiterne Beitrag möchte ich mich den Inhalten russischer Werke widmen. Ich möchte hinterfragen, ob es da bestimmte inhaltliche Tendenzen gibt und ob diese für uns, als Westeuropäer, überhaupt von Interesse sind. Damit einher geht die Frage: warum liest man in Deutschland eigentlich so selten russische oder allgemein slawische Literatur? Davon wird ein weiterer Beitrag handeln und ich hoffe, ich kann dieser Frage auf den Grund gehen.
Zudem möchte ich versuchen, die russische Literatur in ihrer historischen Entwicklung ein wenig vorzustellen. Hierbei möchte ich die Klassiker vorstellen und dann den Bogen zu modernen Werken schlagen.

Wenn ihr Fragen oder weitere Anregungen habt, oder etwa Themen über die ihr mehr erfahren wollt – scheut euch nicht, mir eine eMail zu senden oder hier in der Kommentarbox Vorschläge einzureichen. Auch auf Instagram und Twitter könnt ihr mir gern schreiben!

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christin
6 Monate zuvor

Ok, mir fallen da überwiegend 2 Autoren ein: Dmitri Glukhovsky und Sergej Lukinenko (ja, den Namen hab ich gegoogelt, da ich den Nachnamen sonst falsch geschrieben hätte XD) von daher bin ich mal auf deine Beiträge gespannt!

Und von der Feindseligkeit hab ich bisher noch nie was zu spüren bekommen, eher im Gegenteil. Also egal, ob privat oder hier im der Bloggerbubble.

Nicole
6 Monate zuvor

Oh wow das klingt nach einer sehr spannenden Beitragsreihe. Ich muss gestehen, dass ich bisher in der Tat kaum russische oder slwaische Literatur gelesen habe, wieso das so ist, weiß ich gar nicht. Wsl weil sie hier nicht so im Fokus steht, halt nicht groß im Handel auftaucht? Ich lasse mich da halt doch gerne von Buchläden inspirieren und schledere dort durch die Reihen und fülle meine Wunschliste. Auf der anderen Seite achte ich dabei aber auch gar nicht darauf woher die Bücher kommen. Ich lege das Augenmerk auf den Plot, spricht der mich an, dann darf ein Buch auch… Weiterlesen »

Daniela | read eat live
6 Monate zuvor

Ja, also mit russischen oder slawischen Autor*innen kann ich auch nicht wirklich dienen. Am ehesten in diese Kategorie passt noch Twardoch aus Polen.
Ich werde diese Beitragsreihe also mit Interesse verfolgen:)

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