[Gemeinsam Lesen]

2. Juli 2019 3 min read 8 Comments

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂 Wie immer nutze ich die Ruhe vor dem Sturm (bzw. der Uni :D), um am Gemeinsamen Lesen von SchlunzenbĂŒcher teilzunehmen.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese “Der goldene Handschuh” von Heinz Strunk. Ich bin auf S. 204/253.

Fritz Honka hat traurige BerĂŒhmtheit als Serienmörder erlangt. Ein Frauenmörder der untersten Unterschicht. Geistig und körperlich gezeichnet, missbraucht und tötet er seine Opfer, die er in der Absturzkneipe “Zum goldenen Handschuh” aufsammelte. Leider kein fiktiver Roman, sondern auf wahren Begebenheiten beruhend und daher umso erschreckender.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

So lange, bis es AUS und er ledigt wÀre, vernichtet, ohne die Möglichkeit, jemals wieder auf die Beine zu kommen.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Da um das Buch ja doch ein gewisser “Rummel” gemacht wurde, kannte ich es zumindest vom Cover her – aber beschĂ€ftigt hatte ich mich nicht damit. Nachdem “Der goldene Handschuh” allerdings in diversen meiner heiß geliebten True-Crime-Podcasts genannt und empfohlen wurde, habe ich zugegriffen, als ich in der Bibliothek ĂŒber das Buch stolperte.

Ich weiß gar nicht so richtig, was ich sagen soll. Das Buch macht sprachlos. Nicht nur, weil man einen so grausamen Menschen “hautnah” begleitet – auch weil man einen so drastischen Einblick in das Klientel des “Goldenen Handschuh” erhĂ€lt. Ich wuchs wirklich sehr behĂŒtet auf und mit Personen, wie sie in dem Buch gezeichnet werden, hatte ich niemals BerĂŒhrungspunkte. Personen, die – blöd gesagt – so tief gefallen sind, dass sie die unterste Schicht Deutschlands darstellen.

Strunk gelingt es auf eine schauderliche Weise, diesen Personen so viel Leben einzuhauchen und sie so…. greifbar zu beschreiben, dass man sich beim Lesen oft auch ekelt. Passagenweise ist es nicht so schlimm und man denkt schon: okay, das geht ja eigentlich. Aber dann – zack – kommt wieder so eine Beschreibung, die einem die Haare zu Berge stehen lĂ€sst.

Das Buch ist dementsprechend – zumindest fĂŒr mich – schon harter Tobak. Aber auch unglaublich interessant und wichtig. Wir verschließen schließlich so gerne die Augen vor diesem Elend. Wir leben in unserer priviligierten kleinen Welt und wissen gar nicht, welch verzweifelte Existenz manche Menschen fĂŒhren. Fritz Honka hat mit Nichten Mitleid verdient, aber viele im Buch beschriebene Menschen schon.

4. Welches ist dein Buchhighlight des ersten Halbjahres 2019

Ein großes Highlight war definitiv “Someone New”, auch wenn es so gar nicht in mein ĂŒbliches Beuteschema fĂ€llt und ich sagen muss, dass es auch nicht zu meinen LieblingsbĂŒchern gehört. Aber es war fĂŒr meine persönliche “Entwicklung” wichtig – oh, das klingt hochtrabend!

Ich hatte in meinem Leben selten BerĂŒhrungspunkte zu LGBTQ (ich hoffe, ich habe keinen Buchstaben vergessen :’D). WĂ€hrend des Lesens habe ich natĂŒrlich selbst reflektiert und muss sagen, dass ich in meinem Umfeld und meiner Biografie (Schule, Uni, etc) niemals mit dieser Thematik konfrontiert wurde, außer vielleicht in Fernseh-Shows. Dementsprechend habe ich mich auch NIE zuvor mit diesen Themen beschĂ€ftigt und war vermutlich absolut desensibilisiert. Mit dem Lesen von Someone New habe ich mich erstmals gezielt und intensiv mit der Thematik TranssexualitĂ€t beschĂ€ftigt und insofern kann ich sagen, dass das Buch definitiv zu meiner Sensibilisierung beigetragen hat. BĂŒcher, die einen so nachhaltig verĂ€ndern, gibt es sicher selten und deswegen zĂ€hlt es bis jetzt zu meinen Jahreshighlights.

Ebensfalls zu den Highlights zĂ€hle ich Stephan Orth mit “Couchsurfing in Russland”. NatĂŒrlich habe ich ein großes persönliches Interesse an Russland und es Ă€rgert mich immer sehr, wenn insbesondere Menschen im “Westen” Russland so arg verteufeln. Nein, man kann die Politik nicht gutheißen und ja natĂŒrlich, Russland macht Fehler und hat Fehler in der Geschichte gemacht. (Möge sich das Land zu Wort melden, das dies nicht getan hat!)

Aber Russland ist noch so viel mehr. Russland sind wunderschöne Kulturen und Landschaften, herzliche Menschen, Gastfreundschaft, Weltoffenheit, Mut zur VerĂ€nderung, Hoffnung, &&& Und das vergessen ganz viele, wenn sie Putins Politik mit Russland gleichsetzen. Deswegen auch dies eines meiner Highlights, da das Buch diese andere – diese schöne! – Seite Russlands aufzeigt und so hoffentlich ein bisschen mehr VerstĂ€ndnis schaffen kann.

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weltentzueckt
Gast

Hallo Lisa! (Schöner Name) Someone New habe ich auch gelesen, war aber mit der ein oder anderen Stelle nicht so zufrieden. Deshalb hat es das Buch bei mir nicht in die Jahreshighlights geschafft. Dabei bin ich, wie du, auch sehr froh, dass so ein wichtiges Thema endlich mal aufgegriffen wurde. Chapeau zu deinem Kommentar zu Russland. Ich verbinde nichts mit dem Land und wĂ€re theoretisch auch etwas skeptischer eingestellt. Du regst zum Nachdenken an. Ich habe den Kommentar gelesen und dachte fĂŒr mich “Man, Lisa (ich, nicht du), du bist echt genauso beschrĂ€nkt wie all diejenigen, die sie hier kritisiert.”… Weiterlesen »

Corly
Gast
Corly

Huhu,

Someone new habe ich auch gelesen und auch fĂŒr mich war es eine Art Highlight. Es waren tolle Ideen dabei. Allerdings konnte es mich nicht ganz ĂŒberzeugen, da das Grundthema nicht meins war und auch oft alles zu viel des Guten war.

Hier ist mein Beitrag:

https://lesekasten.wordpress.com/2019/07/02/gemeinsamlesen-165-mit-huntley-fitzepatricks-mein-sommer-nebenan/

LG Corly

Andrea
Gast
Andrea

Hey Lisa 🙂

Dein aktuelles Buch sagt mir spontan gar nichts, wĂ€re aber sicher auch nichts fĂŒr mich. Ich wĂŒnsche dir noch viel Freude beim lesen 😀

Someone New kenne ich natĂŒrlich, aber gelesen habe ich es bisher nicht. DafĂŒr habe ich wahrscheinlich ein wenig zu sehr die Diskussionen verfolgt und schon eine Meinung zu der Umsetzung (auch wenn das vielleicht vorschnell ist, aber momentan reizt mich das Buch nicht). DafĂŒr lese ich aber ansonsten gerne BĂŒcher mit LGBTQ*-Charakteren 🙂
Ich finde es aber auch immer schön, wenn man aus BĂŒchern etwas mitnehmen kann und sie einem persönlich auch etwas bringen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Andrea
Mein Beitrag

Moni2506
Gast

Hey Lisa,

dein Buch klingt wirklich nach hartem Tobak. Ich weiß nicht, ob es etwas fĂŒr mich wĂ€re, interessant klingt es auf jeden Fall.
Someone New wurde ja auch heiß diskutiert. Einige fanden die Darstellung im Buch meine ich auch nicht so gelungen. Deswegen habe ich beispielsweise auch mein aktuelles Buch “Falling Fast” gekauft und bisher muss ich sagen, kommt leider nichts bei mir an, da hat mich die Liebesgeschichte im Buch von Jay Northcote deutlich mehr berĂŒhrt. Wahrscheinlich werde ich keine Rezension schreiben, weil ich nichts weiß, was ich zu diesem Buch sagen könnte.

LG, Moni

Lieschen?

Lieschen?

Lisa Sue ‱ lvl 28 ‱ Germanistin (M.A.) ‱ Slawistik-Studentin ‱ lebt in ThĂŒringen ‱ Hundemensch ‱ wird nicht erwachsen ‱ spielt Klavier ‱ fotografiert und schminkt sich gerne ‱ League of Legends eGirl ‱ Sims-Gott ‱ hat schon gelesen ehe sie lesen konnte

Lisa

Lesejahr 2020

Januar: 1
Februar: –
MĂ€rz: 2
April: –
Mai: –
Juni: –
Juli: –
August: –
September: –
Oktober: –
November: –
Dezember: –

Eigene BĂŒcher: 3
BĂŒchereibĂŒcher: –
Rezensionsexemplare: –

BĂŒcher: –
eBooks: 3
HörbĂŒcher: –

Seiten: 936
3 BĂŒcher insgesamt

Leseplanung

  • Britta Sabbag: Blackwood – Briefe an mich
  • A. + B. Strugazki: Der Montag fĂ€ngt am Samstag an
  • Matthias Heine: Verbrannte Wörter
  • Emma Scott: Bring Down The Stars
  • Sebastiak Fitzek: Das Paket
  • Markus Zusak: Nichts weniger als ein Wunder
  • Dmitry Glukhovsky: Metro 2033
  • Hans Thiers: MordfĂ€lle im Bezirk Gera II
  • Rainer Wekwerth: Pheromon
  • Morthon Rhue: American Hero
  • Poznanski / Strobel: anonym

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